• Die Zielsetzung des GGP

    Die demografische Situation im europäischen Raum und in zahlreichen anderen OECD-Ländern ist starken Veränderungen ausgesetzt. Vielerorts ist ein deutlicher Rückgang der Geburtenziffern bemerkbar, durch Verlängerung der Lebensspannen sowie Zunahme der Migration sind die Bevölkerungszahlen jedoch noch mehrheitlich gestiegen. Diese Entwicklungen stehen im Dialog mit Veränderungen im partnerschaftlichen Zusammenleben: Singlehaushalte, nichteheliche Lebensgemeinschaften und Scheidungen haben zugenommen, die Anteile der kinderlosen Frauen und der außerehelich Geborenen sind gestiegen. Diese Entwicklungen können sich noch fortsetzen. Zunehmend wichtig wird hierbei, Ursprung, Einflüsse und zu erwartende Ausmaße dieser Entwicklungen feststellen zu können. Der Generations and Gender Survey (GGS) – der GGS ist die in den einzelnen Ländern durchzuführende Felderhebung des umfassenden GGP-Programms – kann mit aktuellen empirischen Daten Aufschluss über das rezente demographische Verhalten geben und darüber hinaus gehende, weiterlaufende Prozesse sowie deren beeinflussende Faktoren erfassen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesonders die Beziehung zwischen Kindern und deren Eltern (Generations) und die Beziehung zwischen den Partnern (Gender). Vorrangiges Ziel des GGS ist es, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die genannten demografischen Veränderungen zu ermöglichen und der Politik und ihren Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen.

  • Entwicklung der Zahl Lebendgeborener und des Anteils der unehelich geborenen Kinder in Österreich (Statistik Austria, Absolutzahlen in 1.000)

Zur Erklärung des individuellen demografischen Verhaltens erfragt der GGS Informationen über eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensbereiche. Dazu zählen insbesondere sozioökonomische Informationen über die Befragten, wie beispielsweise die Erwerbs- und Ausbildungsbiografie, jeweils rezente Einkommen, sowie die Partnerschafts- und Fertilitätshistorie. Darüber hinaus sammelt der GGS aber auch Informationen über individuelle Werthaltungen und Einstellungen, Generationen- und Geschlechterbeziehungen, Haushaltszusammensetzungen und Wohnverhältnisse, Arbeitsteilung in den Haushalten, soziale Netzwerke, private und öffentliche finanzielle Hilfeleistungen, räumliche Mobilität und Gesundheit.
 
Der GGS ist im Vergleich zu früheren demografischen Erhebungen durch zwei Eigenschaften charakterisiert: Das Paneldesign des GGS und seine konsequente Beachtung der Geschlechterbeziehungen. In den Erhebungen anderer Ländern wird noch ein zusätzlicher Schwerpunkt -  die Generationenbeziehungen – gesetzt.
 
Das Paneldesign und die konsequente Verwendung vorausschauender Fragen innerhalb des GGS erhöhen die analytischen Möglichkeiten, individuelles Verhalten zu erklären. Ganz allgemein benötigt man zur Untersuchung kausaler Zusammenhänge Informationen über hypothetische Erklärungsfaktoren zu einem Zeitpunkt, der vor dem zu erklärenden Verhalten einer Person liegt. Das Paneldesign erlaubt es, individuelles Verhalten zwischen zwei Wellen des GGS mit den Informationen über die jeweiligen Personen aus der vorhergehenden Welle zu erklären. Ein Querschnittsthema innerhalb des gesamten GGS betrifft die Geschlechterbeziehungen. Ziel ist es, national repräsentative Stichproben mit in etwa gleich großen Anteilen von Männern und Frauen zu erheben. Ein Großteil der Daten werden aus Sicht der Paarbeziehung erhoben, d.h. die Befragten werden um Informationen über ihren (falls vorhandenen) gegenwärtigen Partner oder Partnerin gebeten. Ziel dieser aufwendigen Datenerfassung ist die Untersuchung des demografischen Verhaltens in Verknüpfung mit den jeweiligen Geschlechterbeziehungen.